Wie viel Welt verträgt unser Kopf
👉 Leider aus ganz aktuellem Anlass
Warum Nachrichten unsere Resilienz angreifen können – und was wir dagegen tun können
Morgens das Smartphone aufklappen.
Nachrichten lesen.
Krieg, Krisen, Katastrophen.
Und plötzlich fühlt sich der Tag schwerer an, als noch fünf Minuten zuvor.
Kennen Sie dieses Gefühl?
Heute Morgen saß ich mit einer Dame zusammen und wir unterhielten uns über das Thema Resilienz.
Irgendwann sagte sie einen Satz, der mir hängen geblieben ist:
„Wenn ich morgens die Nachrichten lese, könnte ich mich eigentlich direkt wieder hinlegen.“
Ich musste kurz schmunzeln.
Nicht, weil der Satz lustig ist.
Sondern weil er so ehrlich ist. Und weil auch ich mich darin wiederfand.
Krieg, Krisen, Insolvenzen, politische Spannungen, Klimakatastrophen.
Wer morgens sein Smartphone oder auch Tablet öffnet, bekommt die ganze Welt in wenigen Sekunden serviert.
Und diese Welt wirkt selten beruhigend.
Unser Gehirn liebt schlechte Nachrichten
Das klingt paradox, ist aber biologisch gut erklärbar.
Unser Gehirn ist evolutionär darauf programmiert, Gefahren besonders schnell wahrzunehmen. In der Psychologie nennt man das den Negativitätsbias.
Schlechte Nachrichten ziehen unsere Aufmerksamkeit stärker an als gute.
Das war früher überlebenswichtig.
Wer das Rascheln im Gebüsch ignorierte, konnte schnell zum Abendessen eines Säbelzahntigers werden.
Heute sind die Gefahren ganz andere.
Aber unser Gehirn reagiert noch immer ähnlich.
Nur dass das Rascheln im Gebüsch inzwischen aus dem Smartphone kommt.
Das Problem: große Probleme, keine Handlung
Nachrichten berichten häufig über Dinge, die weit außerhalb unseres Einflussbereiches liegen.
🤜 Globale Krisen.
🤜 Politische Konflikte.
🤜 Wirtschaftliche Entwicklungen.
Das Problem daran ist weniger die Information selbst.
Das Problem ist die Kombination aus:
– hoher emotionaler Belastung
– geringer eigener Einflussmöglichkeit
Und genau dort entsteht Stress.
Psychologisch gesprochen entsteht Stress dann, wenn eine Situation größer erscheint als unsere eigenen Bewältigungsmöglichkeiten.
Viele Nachrichten liefern riesige Probleme – aber keine Möglichkeit, selbst etwas zu tun.
Das erzeugt ein Gefühl von Ohnmacht.
Resilienz bedeutet nicht, die Augen zu verschließen
Manche Menschen reagieren darauf, indem sie sagen:
„Ich schaue überhaupt keine Nachrichten mehr.“
Auch das kann man tun.
Aber Resilienz bedeutet aus meiner Sicht etwas anderes.
Resilienz bedeutet nicht, die Realität auszublenden.
Resilienz bedeutet, bewusst zu steuern, was wir in unseren Kopf hineinlassen.
Denn unser Gehirn ist kein neutraler Speicher.
Es verarbeitet das, womit wir es täglich füttern.
Drei kleine Impulse für mehr mentale Stabilität
1. Eine kleine Nachrichten-Diät
Statt permanent Nachrichten zu konsumieren, kann es sinnvoll sein, feste Zeiten dafür zu definieren.
Ein kurzer Überblick am Morgen. Vielleicht noch einmal am Abend.
Dauerbeschallung hingegen hilft selten.
2. Den Blick bewusst ausbalancieren
Die Welt besteht nicht nur aus Krisen.
Sie besteht auch aus guten Gesprächen, freundlichen Begegnungen, kleinen Erfolgen und Momenten der Dankbarkeit.
Diese Dinge finden nur selten den Weg in die Nachrichten.
In unser Leben aber sehr wohl.
3. Fokus auf das, was wir beeinflussen können
Eine einfache Frage kann dabei helfen:
Was liegt heute konkret in meinem Einflussbereich?
Vielleicht nicht die Weltpolitik.
Aber wie ich mit Menschen umgehe, wie ich meinen Tag gestalte und welche Haltung ich einnehme.
Und genau dort beginnt Resilienz.
Die Welt ist größer als die Nachrichten
Nachrichten zeigen uns einen Ausschnitt der Welt – meist den dramatischen.
Die Welt ist aber auch:
🫶 Ein Spaziergang mit dem Hund
👍 Ein ehrliches Gespräch
👫 Ein Team, das zusammenhält
🙏 Ein Moment der Dankbarkeit
Resilienz bedeutet nicht, die Augen zu verschließen.
Resilienz bedeutet, den Blick bewusst zu lenken.
Denn am Ende entscheidet nicht nur das, was in der Welt passiert.
Sondern auch, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.
