Aufstehen ist keine Theorie
Was mich zwei Schlaganfälle, schwarzer Hautkrebs, ein Koma und ein Burnout über Resilienz gelehrt haben:
Ich habe Resilienz nicht studiert.
Ich habe sie überlebt.
Es gibt Momente im Leben, in denen sich die Erde scheinbar nicht mehr weiterdreht.
Der Moment nach einer Diagnose.
Der Moment nach einem Zusammenbruch.
Der Moment, in dem plötzlich klar wird:
Jetzt geht es nicht mehr um Theorie.
Zwei Schlaganfälle.
Schwarzer Hautkrebs.
Ein Koma nach einer Vergiftung.
Und irgendwann später noch ein Burnout.
Wenn ich heute über Resilienz spreche, dann nicht, weil ich darüber gelesen habe.
Sondern weil ich gelernt habe, immer wieder aufzustehen.
Rückblickend könnte man sagen:
Das Leben hatte für mich ein ziemlich intensives Resilienztraining vorgesehen.
Die romantische Vorstellung von Resilienz
Viele Menschen stellen sich Resilienz ungefähr so vor:
Ein Mensch sitzt ruhig auf einem Felsen.
Der Wind weht.
Die Wellen schlagen.
Und dieser Mensch sagt tiefenentspannt:
„Ich bleibe gelassen.“
Ganz ehrlich?
So sieht Resilienz selten aus.
Resilienz bedeutet nicht, dass man immer ruhig bleibt.
Resilienz bedeutet auch nicht, dass man immer sofort eine Lösung parat hat.
Resilienz bedeutet manchmal schlicht:
„Verdammt, das ist gerade richtig schwer.“
Und trotzdem weiterzugehen.
Der Moment, in dem man merkt: Jetzt wird es ernst
Es gibt im Leben Momente, in denen plötzlich klar wird:
Jetzt geht es nicht mehr um Theorie.
Jetzt geht es darum, ob man innerlich stehen bleibt – oder weitergeht.
Nicht heroisch.
Nicht perfekt.
Sondern Schritt für Schritt.
Manchmal besteht Resilienz einfach darin, morgens aufzustehen und zu sagen:
„Heute probiere ich es noch einmal.“
Die große Erkenntnis
Viele Menschen glauben, Resilienz bedeutet, stark zu sein.
Ich habe etwas anderes gelernt.
Resilienz bedeutet nicht, immer stark zu sein.
Resilienz bedeutet, immer wieder aufzustehen.
Und ja, manchmal gehört dazu auch:
- Zweifel
- Frustration
- ein paar Flüche über das Leben
Alles erlaubt.
Nur eines hilft selten:
Der Moment mit dem Augenzwinkern
Manchmal fragen mich Menschen nach einem Vortrag:
„Roland, wie schaffen Sie es, so optimistisch zu bleiben?“
Meine Antwort ist dann meistens:
„Ganz einfach. Ich habe irgendwann gemerkt, dass Jammern die Situation selten verbessert.“
Das heißt nicht, dass man sich nicht ärgern darf.
Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem eine andere Frage wichtiger wird:
„Und was mache ich jetzt daraus?“
Resilienz beginnt nicht im Kopf
Ein Missverständnis begegnet mir immer wieder.
Viele glauben, Resilienz sei vor allem ein Mindset.
Ein Gedanke.
Eine Einstellung.
Ein positiver Spruch.
Meine Erfahrung ist eine andere.
Resilienz entsteht nicht in klugen Sätzen.
Resilienz entsteht im echten Leben.
Wenn Dinge anders laufen als geplant.
Wenn das Leben plötzlich eine völlig neue Richtung einschlägt.
Wenn man merkt:
„Das hatte ich mir so nicht vorgestellt.“
Und genau dort beginnt der Weg
Ich glaube heute fest daran:
Das Leben wird nie vollständig planbar sein.
Es wird immer Situationen geben, die uns herausfordern.
Die entscheidende Frage ist nicht:
„Warum passiert mir das?“
Die entscheidende Frage ist:
„Wie gehe ich jetzt damit um?“
Oder um es ganz einfach zu sagen
Das Leben bringt uns manchmal zu Boden.
Das gehört dazu.
Die eigentliche Kunst ist etwas anderes:
Immer wieder aufzustehen.
Oder – um es in meiner Sprache zu sagen:
Aufstehen kann man lernen.
Und genau dabei begleite ich heute Menschen.


